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Lothar Zapf vom ZLV über KLEVERTEC

Welche Rolle hat das ZLV bei der Umsetzung von KLEVERTEC gespielt und wie wurden die Bedürfnisse der Industrie berücksichtigt?

Auf Initiative der IHK Schwaben hatte 2013 eine ZLV Arbeitsgruppe unter dem Arbeitstitel „Anwendungszentrum Lebensmittel- und Verpackungstechnologie“ ein erstes Grundkonzept für das spätere „KLEVERTEC“ (= Kompetenzzentrum für angewandte Forschung in der Lebensmittel- und Verpackungstechnologie) erarbeitet. 

Die Idee, in Ergänzung zu den aktuellen Dienstleistungen des ZLV, eine anwendungsorientierte Forschungseinrichtung im Allgäu aufzubauen, wurde sowohl von den KMU als auch den Großunternehmen des ZLV Netzwerkes mit großem Interesse begleitet. Die Entwicklung optimaler Prozesse des Abfüllens und Haltbarmachens, unmittelbar parallel mit der Gestaltung der Primär- und Sekundärverpackung (inkl. der Packstoffauswahl) zu betreiben, wurden von dieser interdisziplinären Arbeitsgruppe als zentrales Anliegen herausgearbeitet. Nach einer ersten Grobkonzeption wurden - gemeinsam mit der Stadt Kempten, Allgäu GmbH, Hochschule Kempten und Fraunhofer IVV – in Frage kommende Organisationsformen diskutiert und das später realisierte Modell „Trägerschaft: Hochschule Kempten, Kooperationspartner & operativer Betreiber: Fraunhofer IVV“ ausgewählt.    

Was ist das Besondere an der Idee dieser angewandten Forschungsinstitution im Allgäu und wo sehen Sie die Vorteile speziell für die Industrie in der Region Allgäu?

Alle einzelnen Technologiebereiche innerhalb der komplexen Prozesskette industriell hergestellter und verpackter Lebensmittel sind aktuell durch etablierte und erfolgreiche F&E Zentren gut abgedeckt (z.B. spezielle Lebensmitteltechnologien, Verfahren zur Packstoffherstellung und Veredelung, Automatisierungsfragen …). Die ganzheitliche Optimierung von Haltbarkeit und damit der Qualität und Sicherheit von verpackten Lebensmitteln bedürfen jedoch eines frühzeitigen Gesamtentwicklungsprozesses in dem die Herstellung, Abfüllung und Verpackungsgestaltung (Form, Anlagenkonzept und Packstoffauswahl) optimal aufeinander abgestimmt sind.   

Dieses einzigartige Angebot Herstellung, Abfüllen und Verpackung ganzheitlich zu verstehen und wissenschaftlich zu bearbeiten, hebt KLEVERTEC klar von anderen Institutionen ab.

Im KLEVERTEC können Unternehmen sowohl ein „Gesamtpaket“ beauftragen als auch unmittelbare Fragestellungen aus dem „Tagesgeschäft“ abklären. 

Also ein „one stop shop“ der Lebensmittel- und Verpackungstechnologie!

Das Migrationsverhalten von Klebstoffetiketten war eines der ersten KLEVERTEC Projekte. Glauben Sie, dass das Thema große Relevanz für die regionalen Lebensmittel- und Packstoffhersteller besitzt?

Diese von allen Beteiligten offenbar unterschätzte Problematik wurde im KLEVERTEC erstmals sehr klar herausgearbeitet. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass eine noch bessere Zusammenarbeit und offenere Kommunikation zwischen den beteiligten Partnern dringend erforderlich ist. Einen klaren Leitfaden zur Auswahl geeigneter Packstoffe, Etikettendruckverfahren und Klebstoffen für das jeweilige Lebensmittel zu erarbeiten, ist sicherlich der richtige Weg und eine geeignete Hilfe für die Lebensmittelhersteller und Vermarkter.

Zu diesem Thema wird KLEVERTEC sicherlich kurzfristig eine gesuchte „Beratungsstelle“ werden.     

Wie wurde aus Sicht des ZLV,  KLEVERTEC bisher von den Unternehmen der Region angenommen? Wo sehen Sie KLEVERTEC in 5 Jahren?

Die bisher sehr erfolgreich bearbeiteten Großprojekte (Hochfrequenzerhitzung zur Haltbarmachung von Lebensmitteln, Funktionelle Pflanzenextrakte zum Qualitätserhalt und die Migrationsthematik von Klebeetiketten) zeugen von hoher Kompetenz und Professionalität der neuen Einrichtung. Auch die ersten, unmittelbar für den „Produktionsalltag“ bearbeiteten Aufgabenstellungen, wurden vorbildlich und schnell gelöst. Über den Weg dieser sehr positiven Referenzen wird sich bestimmt schnell „herumsprechen“, dass hier sehr gute, praxisorientierte Entwicklungsarbeit geleistet wird und hervorragende Rahmenbedingungen für eine enge Zusammenarbeit mit Industrieunternehmen vorhanden sind.

Die Zukunft kann ich natürlich nicht verbindlich vorhersagen, jedoch werden wir nach meiner Überzeugung spätestens im Jahr 2022 sowohl über eine Erweiterung des Technikums, als auch der Labor- und Büroflächen reden.